Sammlungen

Schulranzen mit Geschichte

Anlässlich der Mitgliederversammlung des Fördervereins Schulhausmuseum Hollingstedt wird in jedem Jahr eine Ausstellung von schulgeschichtlichen Exponaten oder besonderen Museumsstücken gezeigt.
Für die Zusammenkunft 2016 wurde die Entwicklung der Schulranzen im Laufe der Zeit den Mitgliedern vorgestellt.

Während für die heutigen Einschulungskinder beim Kauf des neuen Ranzens oft die „Qual der Wahl“ besteht, ist die Anschaffung für die Eltern zumeist eine teure Angelegenheit – und oft zeigt sich das erworbene Stück als kurzlebig und nicht mehr erwünscht!
Vor diesem Hintergrund ist es interessant zu erfahren, dass die Einführung der Schulranzen erst mit dem Ende des 19. Jahrhunderts begann. Entwickelt hat sich der Ranzen aus dem Tornister der Soldaten.

Zumeist waren diese ersten Schulranzen aus Leder gefertigt, aber auch aus Pappe mit Leinen bezogen. Die Schulranzen für Jungen hatten üblicherweise eine lange Klappe, die für Mädchen eine kurze Klappe mit gekreuzten Bändern. Diese Schulranzen wurden innerhalb der Familie dann auch von Geschwisterkindern weiter getragen und hatten eine lange Lebensdauer, oftmals wurden sie später noch für ältere Kinder zu Schultaschen mit Tragegriff umgearbeitet.

Ein ganz besonderes Exemplar der Ausstellung ist der älteste Schulranzen aus Hollingstedt:

Zur Einschulung Ostern 1912 bekam Else Hagge (Matz), den mit grünem Samt beschlagenen Ranzen, den zuvor auch schon ihre Schwestern (die älteste Schwester war 16 Jahre älter) getragen hatten. Blessuren, die das gute Stück davongetragen hatte, wurden vom Schuster ausgebessert und somit konnte auch noch die Tochter von Else (verh. Schacht), Elke Schacht (verh. Rubien), den Ranzen zu ihrer Einschulung 1942 tragen! Danach trug ihr jüngerer Bruder, Rolf Schacht, zu seiner Einschulung Ostern 1950 ebenfalls diesen Ranzen. Von Elke Rubien wurde das betagte Stück dann vor einigen Jahren dem Schulhausmuseum überlassen. Da dieser Ranzen aber eigentlich ein Jungen-Ranzen mit großer Klappe ist, kann man annehmen, dass er schon vor den fünf Hagge (Matz)-Schwestern einem männlichen Einschulungskind gehört hat und somit etwa in die Zeit um 1890 einzuordnen ist.
Eine solch lange Schulranzengeschichte werden die heutigen Exemplare sicher nicht erleben!

Wiebke Gramlow
20.03.2016

 

Artikel aus dem Schleswig-Holstein Journal vom 09.07.2016: Schulranzen mit Geschichte

 

 

 

Giftblätter im Wandel

„Zeugnisse sind historisch betrachtet eine relativ junge Erscheinung. Erst ab dem 18. Jahrhundert hielten sie in den Schulen Einzug.“

Zur Ausgabe der Halbjahreszeugnisse in Schleswig-Holsteins Schulen im Januar 2016 öffnete Frau Gramlow das Archiv des Schulhausmuseums Hollingstedt und gewährte dem Schleswig-Holstein Journal Einlicke in die Entwicklung des Notenpapiers.

 

Artikel aus dem Schleswig-Holstein Journal vom 23.01.2016: Giftblätter im Wandel